SNMP-Monitoring in Odoo 19: Grenzwert überschritten, Ticket eröffnet
Server, Switches, USV-Anlagen, Temperaturfühler im Serverraum: Fast alles, was in einem Netzwerk hängt, spricht SNMP und kann Auskunft über seinen Zustand geben. Die Frage ist nur, wer zuhört – und was passiert, wenn ein Wert aus dem Ruder läuft.
Für die Infrastruktur, die wir für unsere Kunden betreuen, haben wir diese Kette jetzt an einen Ort gelegt: Unser Odoo 19 fragt die Geräte ab, vergleicht die Werte mit Grenzwerten, und wenn eine Grenze erreicht wird, eröffnet es ein Ticket im Helpdesk – bei dem Kunden, dem das Gerät gehört. Kein separates Monitoring-System, das per E-Mail in den Helpdesk schreibt, sondern dasselbe System, in dem Kunde, Gerät und Ticket ohnehin zusammenhängen.
Das Modul haben wir für den eigenen Betrieb entwickelt. Es ist keine Community-Veröffentlichung wie unsere Module zu Bankauszügen oder E-Rechnungen, sondern Teil unserer internen Betreuungsplattform – so wie die Ortung, über die wir zuletzt berichtet haben.
Vom Messwert zum Ticket
Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten:
- Ein Gerät wird mit Adresse und Zugangsdaten angelegt (SNMP v1, v2c oder v3 mit Authentifizierung und Verschlüsselung). Beim Speichern holt sich Odoo Systembeschreibung, Systemname und Uptime – die ehrlichste Bestätigung, dass Adresse und Zugangsdaten stimmen.
- Auf dem Gerät werden Datenpunkte definiert: eine OID, eine Einheit, eine Kundenzuordnung.
- Ein Zeitplan fragt alle aktiven Datenpunkte ab. Je Gerät wird einmal verbunden, nicht je Datenpunkt – bei zwanzig OIDs auf einem Switch ist das der Unterschied zwischen einer und zwanzig Sitzungen.
- Jeder Datenpunkt kann Grenzwerte überwachen: eine Obergrenze, eine Untergrenze oder beides.
- Wird eine Grenze überschritten, entsteht ein Helpdesk-Ticket.
Ein Ticket je Vorfall, nicht je Messung
Der wichtigste Punkt in der Alarmlogik: Nur der Zustandswechsel zählt. Wer bei jeder Messung ein Ticket erzeugt, hat nach einer Nacht mit einem klemmenden oder prellender Sensor dreihundert Tickets – das ist keine Alarmierung, das ist Vernebelung.
Das Modul merkt sich deshalb je Datenpunkt, ob er sich im Zustand „Normal" oder „Alarm" befindet. Beim ersten Überschreiten der Grenze wechselt der Zustand, eine Nachricht landet im Chatter des Geräts, und ein Ticket wird eröffnet – mit dem betroffenen Kunden als Partner, mit Datenpunkt, Gerät, gemessenem Wert und verletzter Grenze im Text. Solange der Wert außerhalb der Grenze bleibt, passiert nichts weiter: Das Ticket ist offen, unsere Techniker wissen Bescheid.
Kehrt der Wert in den Normalbereich zurück, schreibt das Modul eine Entwarnung in dasselbe Ticket und löst die Verknüpfung. Ob das Ticket dann geschlossen wird, entscheidet weiterhin ein Mensch – ein Wert, der kurz unter die Grenze fällt, heißt noch nicht, dass die Ursache behoben ist.
Grenzwerte werden bei jeder Messung geprüft, unabhängig davon, ob der Wert gespeichert wird. Ein konstant zu hoher Wert bleibt ein Alarm. Und ein Alarm darf nie daran scheitern, dass ein Ticket nicht angelegt werden kann – schlägt die Erstellung fehl, bleiben Protokoll und Nachricht am Gerät trotzdem stehen.
Nur speichern, was sich ändert
Ein Datenpunkt, der alle fünf Minuten abgefragt wird, liefert 105.000 Werte im Jahr. Bei hundert Datenpunkten sind das über zehn Millionen Zeilen – für Werte, die sich meist gar nicht verändert haben.
Gespeichert wird deshalb nur, was sich gegenüber dem letzten gespeicherten Wert um mehr als eine eingestellte Schwelle unterscheidet – je Datenpunkt als absolute Differenz (etwa 0,5 °C), als prozentuale Abweichung oder bei jeder Änderung. Der aktuelle Wert und der Zeitpunkt der letzten Abfrage stehen trotzdem immer am Datenpunkt; nur der Verlauf wird ausgedünnt.
Wohin die Werte geschrieben werden, ist ebenfalls einstellbar: in die Odoo-Datenbank, in eine MongoDB oder als CSV-Dateien in den Odoo-Filestore. Wir halten die Messwerte damit aus der ERP-Datenbank heraus – derselbe Grundsatz wie bei den Positionsdaten der Ortung. Der Verlauf lässt sich in jedem Fall als Diagramm anzeigen, bei stundenweiser Verdichtung als Durchschnitt, nicht als Summe.
Füllstand in Prozent statt in Bytes
Manche Größen stehen nicht als solche im Gerät. Der Füllstand einer Partition muss aus belegtem Speicher und Gesamtgröße gerechnet werden; Temperatursensoren liefern oft skalierte Ganzzahlen – 235 für 23,5 Grad.
Ein Datenpunkt kann deshalb den Wert wie gemeldet übernehmen, mit einem Faktor multiplizieren oder als Prozentsatz einer zweiten OID berechnen. Für Grenzwerte ist das entscheidend: Eine Grenze von 90 % gilt für jede Plattengröße. Eine Grenze in Gigabyte müsste je Laufwerk nachgepflegt werden.
Niemand muss OIDs auswendig kennen
Bei Windows- und Linux-Servern ist die HOST-RESOURCES-MIB genormt: Laufwerke und Arbeitsspeicher stehen an bekannter Stelle. Eine Geräteerkennung liest die Tabelle, rechnet Füllstände in Prozent um und legt die Datenpunkte samt Alarmgrenze mit einem Klick an.
Für alles andere gibt es einen SNMP-Browser, der den OID-Baum abläuft und jede gefundene OID mit ihrem aktuellen Wert zeigt – und, falls im Katalog bekannt, mit Name, Beschreibung und Einheit aus der importierten Hersteller-MIB. Ankreuzen genügt.
Was unsere Kunden davon haben
Geräte und Datenpunkte sind Kunden zugeordnet. Im Kundenportal finden Sie unter Meine SNMP-Werte die aktuellen Messwerte Ihrer Geräte und den Verlauf der letzten 24 Stunden, 7 Tage, 30 Tage oder 12 Monate als Diagramm – dieselben Werte, die auch wir sehen. Sichtbar ist ausschließlich, was Ihrem Unternehmen zugeordnet ist.
Und wenn ein Grenzwert überschritten wird, müssen Sie nichts tun: Das Ticket ist bereits bei uns, mit Gerät, Wert und Uhrzeit, bevor Sie es bemerken.
Was das Modul bewusst nicht ist
Es ist kein Ersatz für ein vollständiges Monitoring mit Verfügbarkeitsprüfungen, Eskalationsketten und Abhängigkeitsbäumen. Es nimmt keine SNMP-Traps entgegen, sondern fragt aktiv ab. Und es schließt kein Ticket automatisch – die Entwarnung ist eine Nachricht, keine Statusänderung.
Es geht um genau eine Strecke: vom Messwert über die Grenze zum Techniker, der sich kümmert. Diese Strecke ist jetzt so kurz, wie sie sein kann.
Wenn Sie Ihre Server, Netzwerkgeräte oder Sensoren in diese Überwachung aufnehmen möchten, sprechen Sie uns an.